Vernunft macht Schule

selten hat so ein Motto so gut in die Schulstandortdiskussion um die Wisserschule gepasst wie jetzt.
Und bedauerlicherweise musste der Vernunft-Impuls von außen – von einer Bürgerinitiative – kommen, weil die schwarz-grüne Mehrheit in der Stadtvertretung nicht in der Lage war, zukunftsweisende Entscheidungen zum Wohle unserer nachfolgenden Generationen zu treffen.
Diese werden nun die Eutiner Bürgerinnen und Bürger am 26. Mai übernehmen müssen – und sie werden

  •  für den Bürgerentscheid
  •  für den Neubau der Wisserschule am Kleinen See votieren, da bin ich mir ganz sicher.

Der Standort am Berg hat keine Zukunft mehr.

Zwar hat die Machbarkeitsstudie ergeben, dass man mit Ach und Krach das Raumbuch soeben dort noch umsetzen kann. Das wars aber dann auch.
Eingemauert zwischen der stark belasteten Elisabethstrasse, der Weidestrasse und der Bahnlinie hat die Gemeinschaftsschule künftig keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr.
Die Mehrheitsfraktion wollen, dass im dem zum Teil denkmalgeschützten Altbestand gebaut wird

mit den damit verbundenen erhöhten Kostenrisiken, die wir mehr als einmal leidvoll zur Kenntnis nehmen mussten – denken Sie an die Weberschule und – und wir haben noch gar nicht so richtig angefangen – an die Reithalle, wo die Denkmalpflege schon vorab den geplanten Kostenrahmen sprengte.

Die Mehrheitsfraktionen wollen, dass auf dem beengten Gelände am Berg im laufenden Schulbetrieb gebaut wird

  • und nehmen billigend die Belästigung durch Lärm und Dreck in Kauf,
  • nehmen billigend den Ausfall von Fach- und Sportunterricht in Kauf
  • nehmen billigend in Kauf, dass für die gesamte Bauzeit kein Schulhof zur Verfügung steht – und das bei einer avisierten Bauzeit von 3 Jahren

Damit stehlen sie nahezu einer ganzen Schülergeneration ihre Schulentwicklung.

Und zu den Kosten: die Ertüchtigung am Berg ist nur unwesentlich günstiger als ein Neubau am Kleinen See.
Dafür haben Sie am Berg danach immer noch eine mindestens zu 40% alte Schule mit den höheren Folge- und Unterhaltungskosten – im Gegensatz zu einem Neubau, wo Sie nach den technisch und energetisch neuesten Gesichtspunkten bauen können und das in der Folge mit deutlich niedrigeren Folgekosten.
Der Neubau wäre auch ein Symbol an die jüngere Generation in Sachen Pro Klimaschutz, denken Sie an die wöchentlichen Demos „Friday for Future“ und nehmen Sie die Anliegen der jungen Generation endlich ernst.

Die SPD-Fraktion unterstützt die Bürgerinitiative „Vernunft macht Schule“

  • vernünftig ist es, der Wisserschule die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten einzuräumen wie der Außenstelle der Grundschule am Kleinen See und der Förderschule.
  • Vernünftig ist es, auf diesem ca. 28.000 qm großen Areal die Schulen nach den neuesten Gesichtspunkten zu bauen. Platz ist genug da.
  • Vernünftig ist es, nur eine Schulsporthalle zu bauen, die ausreichend dimensioniert ist für die Nutzung durch beide Schulen, aber auch für den Vereinssport unter Wettkampfbedingungen – statt einer 2-Feldhalle am Berg und einer 3-Feldhalle am See
  • Vernünftig ist es, die Förderschule da zu bauen, wo die Schule mit den meisten Inklusionsschülern angesiedelt ist – und das ist die Wisserschule mit ca. 65 Inklusionsschülern. Das sind übrigens 95% aller Inklusionsschüler Eutins.
  • Vernünftig ist es, durch die räumliche Nähe beider Schulen Synergieeffekte zu nutzen. Das ist nicht nur vor dem Hintergrund der angespannten finanziellen Lage Eutins zu sehen, auch die Zusammenarbeit zwischen den Schulen und den Schülern wäre eine Bereicherung.
  • Vernünftig ist es, einen sanften Übergang der schaffen für die Grundschüler, die auf die Gemeinschaftsschule wechseln.
  • Bei vernünftiger Planung sind bei dieser Grundstücksgröße die Belastungen durch den Baulärm für die Außenstelle der Grundschule am Kleinen See gering.

Übrigens ein Wort an diejenigen, die meinen, aus pädagogischen Gründen die Jahrgänge 1-4 von den Jahrgängen 5-10 strikt trennen zu müssen:
Seit der Einweihung 1962 bis zur Einrichtung der Gemeinschaftsschule 2010 wurden am Standort Am Kleinen See Grund- und Hauptschüler, also die Klassenstufen 1-9, gemeinsam unterrichtet. Ernsthafte Probleme gab es damit nicht. Ich persönlich gehörte 1962 zu den Einweihungsschülern der Schule Am Kleinen See, verbrachte die 3 und die 4. Klassenstufe dort, bis zum meinem Wechsel auf das Voßgymnasium habe ich dort überlebt.

Ein Ausblick auf die Gegenfrage:

Die Gegenfrage ist überflüssig wie ein Kropf, denn das dort Gefragte entspricht der aktuellen Beschlusslage in den Gremien.
Wenn der Bürgerentscheid  – die Forderung nach einem Neubau der Wisserschule – keine Mehrheit bekommt, dann bleibt es bei der Beschlusslage, wie sie in der Gegenfrage beschrieben ist.

Mir gab vor einigen Jahren – übrigens ein CDU-Kommunalpolitiker – den Rat:

„Wenn Du nicht mehr weiter weisst, musst Du verwirren“.

Diese Arglist setzen Sie hier ein: Sie wollen verwirren, Sie wollen den Wähler am 26. Mai in die Irre führen.

Der Stimmzettel, wo ein einfaches Ja oder NEIN ausgereicht hätte, um zu einem klaren Ergebnis, bestücken Sie jetzt mit 3 Fragen und 6 Kästchen zum Ankreuzen in der Hoffnung, dass der Wähler da nicht mehr durchblickt und Sie Ihre Ziele so erreichen.

Das lassen wir Ihnen so nicht durchgehen.

Wir werden unter TOP 17.2 beantragen, die Gegenfrage – da bereits Beschlusslage – zurückzuziehen, damit wir dann zu einem klaren Bürgerentscheid am 26. Mai kommen.

 

Rede des SPD-Fraktionsvorsitzenden Hans-Georg Westphal in der Stadtvertretung vom 20.03.2019