Im Portrait: Manfred Rath – seit 50 Jahren in der SPD

„Mein Terminkalender ist voll“

Bei der Jahreshauptversammlung des SPD-Ortsvereins im März 2016 wurde Manfred Rath für 50 Jahre Mitgliedschaft in der SPD geehrt. Die Eutiner SPD nimmt dies zum Anlass, eine Serie über Eutiner SPD-Mitglieder mit Rath zu beginnen zu lassen und ihn etwas genauer vorzustellen.

Rath wurde im August 1939 in Oldenburg i.O. geboren. Nach dem Abitur wurde er 1959 für 12 Monate zum Wehrdienst in Braunschweig eingezogen. Rath hat seine Wehrdienstzeit zunächst auf 18 Monate verlängert und sich anschließend weiter verpflichtet mit dem Ziel, Berufsoffizier zu werden. Ungefähr alle zweieinhalb Jahre mussten Rath und seine Familie wegen der regelmäßigen Versetzungen umziehen. Und so kam es, dass er in Hannover, München Oldenburg i.O., Munster, Landshut, Ingolstadt und Köln stationiert war. Und in Eutin, wo er viereinhalb Jahre (1978 bis 1982) als Bataillonskommandeur diente und ihm ca. 300 Zeit- und Berufssoldaten und 500 Wehrpflichtige unterstanden. Seine Tochter hat in Eutin Abitur gemacht, und hier hat er sich nach Beendigung seines aktiven Dienst bei der Bundeswehr im Jahr 1986 mit seiner Frau Dagmar niedergelassen. Beide hatten sich bereits 1958 kennen gelernt, sechs Jahre später geheiratet. Dagmar und Manfred Rath sind mittlerweile zweifache Großeltern.

Auf die Frage, wann er in die SPD eingetreten ist, antwortet Rath: „Das war am 1. Januar 1966 im Ortsverein Munster/Heide. Eigentlich wollte ich ja schon Mitte ´65 eintreten, hatte auch einen Antrag gestellt. Aber im Ortsverein Munster haben sie gesagt, ich sei ja ein armer Soldat und solle mal den Jahresbeitrag sparen und erst zum nächsten Jahresanfang eintreten.“ Rath schmunzelt. „Zwei Jahre später war ich dann schon stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender und noch ein Jahr später Stadtrat in Munster. Wegen der häufigen berufsbedingten Umzüge habe ich später aber keine offiziellen Ämter mehr in der Partei übernommen.“ Das stimmt so nicht ganz. Denn Rath war überall, wo er stationiert war, im jeweiligen SPD-Ortsverein aktiv, oft als Beisitzer des Vorstandes.

Wieder schmunzelt Rath: „Nachdem ich dreieinhalb Jahre in Munster stationiert war, sollte ich versetzt werden. Man bot mir ein paar Standorte an, darunter auch die Gebirgsdivision in Landshut. Meine Frau und ich haben uns erstmal auf der Karte angesehen, wo Landshut eigentlich liegt. Dann haben wir uns für diesen Standort entschieden.“

Wenn es zum damaligen Zeitpunkt schon ungewöhnlich war, dass ein Berufsoffizier Mitglied der SPD ist, so war es das erst recht in Bayern. „Kaum war ich dort stationiert, als Franz-Josef Strauß über die informellen CSU-Kanäle schon informiert war. “ Aber auch für die bayerische SPD war das eine Attraktion. „Ich war damals der Exot in der Bundeswehr“, sagt Rath. „Aber ich wurde immer gerecht behandelt, weil ich nie versucht habe, meine Verbindungen spielen zu lassen.“ Aus dieser Zeit stammt sein Spitzname „der rote Rath“.

Willy Brandt, dessen Team und die von ihnen ausgehende Aufbruchstimmung haben Rath seinerzeit zum Eintritt in die SPD bewogen. Und das Thema, das Rath am Herzen liegt: soziale Gerechtigkeit. Nach den seiner Meinung nach größten Persönlichkeiten in der SPD befragt, nennt Rath neben Brandt Georg Leber (früherer Bundesverteidigungsminister) sowie die niedersächsischen Politiker Helmut Rohde (1974-78 Minister für Bildung und Wissenschaft), Egon Franke (1969-1982 Bundesminister für Innerdeutsche Beziehungen) und Hans Apel, der zu Raths Kommandeurszeiten Verteidigungsminister war. Solche Persönlichkeiten kann Rath in der SPD derzeit nur schwerlich ausmachen.

Zu seinen eindringlichsten Erinnerungen zählt seine Abordnung 1970 nach München, um im Vorbereitungsstab der Olympischen Spiele 1972 mitzuwirken. Dort saß Rath mit zwei weiteren Hauptleuten, bis die Nachbereitung der Spiele 1973 abgeschlossen war. „Zunächst sollten wir den Funkverkehr organisieren, damit man im Notfall mit den Schiffen in der Kieler Förde in Verbindung bleiben konnte. Dafür brauchte man 30 Funker. Dann wurde der Auftrag immer weiter, und so haben wir mit ca. 3.500 Kraftfahrzeugen und 4.000 Soldaten den gesamten Fahrdienst für die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees und alle Sportler organisiert.“

Auch das Attentat gegen das israelische Team während der Olympischen Spiele hat Rath hautnah mitbekommen: „Wir waren in Sichtweite der Geiseln und Geiselnehmer. Wir haben als Unterstützung zur nächtlichen Beleuchtung Panzer nach Fürstenfeldbruck geholt. Aber wir konnten nichts tun. Es fehlte an den technischen Möglichkeiten zu einer effektiven Kommunikation zwischen der Bundeswehr und der Polizei. Heute würde ein Eingriff ganz anders verlaufen.“ Nachdenklich fügt er hinzu: „Das verfolgt einen bis heute.“

Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst 1984 war Rath bis 2004 Organisationschef einer Messe- und Ausstellungsgesellschaft. „Am Anfang hatte ich nur ein paar Veranstaltungen pro Jahr zu organisieren. Aber nach der Grenzöffnung waren es in den 90er Jahren in der Spitze an die 50 Veranstaltungen in 30 Städten in Deutschland und Polen.“

Und so hat Rath nach 27 Jahre als Beamter im öffentlichen Dienst weitere 18 Jahre lang Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt – einschließlich in der freien, ungezügelten Wirtschaft der 90er Jahre. Eine der wichtigsten Erfahrungen zur Lösungen anstehender Probleme hat Rath sowohl bei der Bundeswehr als auch in der Wirtschaft angewandt: „Wenn es ein Problem gibt, muss zunächst eine Lagefeststellung erfolgen. Dann müssen die Lage beurteilt und die Möglichkeiten des Handelns geprüft werden. Aufgrund dieser Möglichkeiten ist dann eine Entscheidung zu treffen und umzusetzen.“ Dabei spielt laut Rath der Zeitfaktor die entscheidende Rolle. „Probleme müssen gelöst werden, wenn sie anstehen. Probleme erledigen sich meist nicht durch Zeitablauf, sondern werden größer.“ Ein weiterer wichtiger Aspekt: „Wenn sich die Bedingungen oder allgemein die Situation ändert, dann muss ich eine neue Lagebeurteilung vornehmen und eventuell meine Entscheidung revidieren. All dies gilt natürlich auch für die Politik!“

Wieder lächelt Rath verschmitzt, als er gefragt wird, was er derzeit mache. „Mein Terminkalender ist voll.“ Und wer ihn kennt, der weiß, dass das keine Übertreibung ist. „Jeden morgen um 7:00 Uhr gehe ich eine Stunde rudern.“ Aber das ist erst der Anfang des Tages. Rath ist Mitglied in sechs verschiedenen Fördervereinen, in einigen auch ehrenamtlich im Vorstand tätig. Seine Tätigkeiten umfassen unterschiedliche Themen, die von den Eutiner Festspielen über das Eutiner Schloss und die Kulturgenossenschaft, bis hin zur Fassendorfer Handpuppenbühne. Viermal war Rath Präsident des Kiwanis-Clubs Ostholstein, und noch immer nimmt er die Aufgaben des Verwaltunsgratsvorsitzenden zweier Eigentümergesellschaften wahr. Und er gibt zweimal im Jahr gibt er die Broschüre Der Aufklärer heraus und organisiert Pakete für in Einsatzgebiete stationierte Soldaten des Aufklärungsbataillons 6. Und wenn Rath dann noch Zeit hat, fährt er neben dem Rudern auch gerne Fahrrad und spielt Golf.

Und so ist das Treffen mit Manfred Rath nach 75 Minuten vorüber. „Ich habe noch eine Sitzung, bin schon spät dran.“

Auch im Eutiner Ortsverein der SPD ist Rath noch immer aktiv, wenn auch ohne offizielle Funktion. Gisela Poersch, SPD-Ortsvereinsvorsitzende von 1983 bis 1993 und Stadtvertreterin bis 2008, kennt Rath seit ihrer aktiven Zeit. „Manfred waren die Eutiner Themen ein großes Anliegen. Er hat uns immer daran erinnert, die Menschen bei unserer Politik mitzunehmen. Und so hat er sich in einer Zeit für soziale Themen, für Jugendtreffs und Kindergärten eingesetzt, als die Stadtvertretung sich sehr auf Straßenbautätigkeiten konzentriert hat.“

Auch der derzeitige Vorstand und die Fraktion schätzen seine Ratschläge und Ideen. Und die der SPD-Ortsverein braucht seinen Rat(h).

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